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Chronik - MGV „Windsbraut“ Petkum von 1922 e.V.
Auf allgemeinen Wunsch vieler Petkumer Bürger wurde beschlossen, einen Männergesangverein zu gründen. (In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass es bereits einen Vorgänger gab: „Gesang-Verein Petkum“ lt. Chronik Rieke Janssen mit Hinweis auf das Jahr 1886) Das war am 3. Februar 1922. Für diesen Tag war „durch öffentliche Bekanntmachung“ zur Gründungsversammlung aufgerufen worden. Als Gründungslokal war das „Gasthaus zur Fähre“ vorgesehen. Zur Gründungsversammlung fanden sich neben dem Wirt noch 12 Personen ein. Diese 13 Männer gründeten an diesem Abend den Petkumer Männergesangverein. Die Namen dieser Gründungsväter sollen hier festgehalten werden. Neben dem Wirt Johann Olsson waren es die Herren Hero Michaelsen, Jakobus Michaelsen, Johann Honefeld, Diedrich Reinders, Ludolf Becker, Arend Snakker, Gerhard Snakker, Menno Harms, Erich Nowack, Ihno Bartels, Diedrich Bartels und Harm Wiegmann.
Ob der Name „Windsbraut“ seinen Ursprung in dem stürmischen Wetter des Gründungsabend hat, wie die Überlieferung wissen will, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Wohl aber die Tatsache, dass weder im Protokoll der Gründungsversammlung noch in den dort angenommenen Satzungen der Name „Windsbraut“ auftaucht. Es ist dort einfach vom MGV Petkum die Rede. Auch der erste Vereinsstempel trug um Lyra und Kranz die Umschrift „Gesang-Verein Petkum“. Diese Feststellungen schließen natürlich nicht aus, dass der poetische Name von Anfang an als mündliche Bezeichnung lebendig war. Aber darüber lässt sich nach so vielen Jahren etwas Sicheres nicht mehr feststellen, zumal die Erinnerung erfahrungsgemäß oft zur Verklärung neigt.
Schlechte Zeiten begleiteten die Anfangsjahre der Sangesbrüder. Die Inflation grassierte, die Verarmung des Deutschen Volkes folgte der Inflation auf dem Fuße und anhand der permanent steigenden monatlichen Vereinsbeiträge spiegelt sich das Finanzchaos drastisch wieder. Die bei der Gründung festgesetzten monatlichen Beiträge von 50 Pfennig mussten schon nach einer kurzen Zeit erhöht werden – und zwar auf 50 Mark pro Monat. Zum Ausgleich des Jahresdefizits 1922/23 mußte eine einmalige Ausgleichssumme von 50 Mark aufgebracht werden – ein Ausdruck dieser glücklosen Zeit. Eine chaotische Zeit, aber eine Zeit inneren Zusammenhalts und der Festigung des noch jungen Männerchores. Das Lied verbindet – und es verband die Männer der „Windsbraut“. Weitere Sangesbrüder stießen zum Verein. Eine Anzahl fördernder Mitglieder unterstütze die Chorarbeit, und der Rückblick auf das Gründungsjahr 1922 weist am Jahresende die stattliche Mitgliederzahl von 23 Aktiven und 23 Passiven aus.
Öffentliche Auftritte stärken den Chorgeist. Nach einem Jahr des Bestehens kann man sich schon einmal mit den Nachbarvereinen anlässlich eines gemeinsamen Chorabends messen. 1923 werden die Übungsabende in den Gasthof „Slis“ verlegt.
Zum Weihnachtsfest wird für die Kinder der Vereinsmitglieder eine Feier bereitet, und der Chronist vermerkt nicht ganz ohne Stolz über diese Veranstaltung ..... die Feier war so recht das Bild eines schlichten deutschen Familienfestes.
Öffentliche Auftritte und Chorabende wechselten einander ab. Man entschloss sich, eine Vereinsnadel zu entwerfen. Theaterstücke wurden aufgeführt, und es entwickelte sich ein reges Vereinsleben. Doch es darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die Not der Zeit an allem nagte. Auch der Männergesangverein war in dieser Zeit nicht gegen Rückschläge gefeit. Man diskutierte lange über ein neues Vereinslokal. Der Bühnenvorhang bei einem Lieferanten im „besetzen Gebiet“ (gemeint ist die Besetzung des Rhein/Ruhrgebietes durch Frankreich) bestellt - lässt lange auf sich warten, und es treten Schwierigkeiten in der Vereinsführung auf. Doch der Chorgeist war stärker, und obwohl man auf einen Kassenbericht verzichtet – denn die Kasse wies mittlerweile nach der Inflation am 1.12.1923 den lächerlichen Betrag von 16.5 Goldpfennigen auf, schöpft man Hoffnung, die der Chronist wie folgt zum Ausdruck bringt .... nun beginnt das neue Jahr, was wird es unserem Verein bringen....?
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1924 wird der Teeabend ins Leben gerufen. Ein frohes Beisammensein, das an die Vereinsgründung erinnert, soll zur Tradition werden.
Die Jahre ziehen ins Land, man trifft sich wöchentlich zu den Chorstunden, manch` ein friedlicher Sängerwettstreit wird mit den befreundeten Gesangvereinen ausgefochten, und der „Windsbraut“ ist hierbei meistens ein hervorragendes Abschneiden beschieden. Der MGV „Windsbraut“ festigt sich und man kann Ende der 20-er Jahre über stattliche 39 aktive und 30 passive Mitglieder berichten.
Das Jahr 1930 brachte dem Verein das Ereignis – denn es stand ganz im Zeichen der Austragung des Bundessängerfestes in Petkum. Ein Ereignis, das erwähnenswert ist und dem Verein auch die Anerkennung von außen brachte. Fahnenweihe, gestiftet von 3 Sängern, Kosten 1.500 Mark, großer Festumzug durch den Ort und der Bundessängerwettstreit waren für den MGV „Windsbraut“ eine Selbstbestätigung, die noch lange ein wohlverdientes Echo fand.
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1932 – der MGV „Windsbraut“ ist 10 Jahre alt. Der Vorsitzende lässt die vergangenen Jahre auf der Jahreshauptversammlung „Revue passieren“, denn das Winterfest - der Teeabend – muß wegen der schlechten Wirtschaftslage ausfallen.
1933 – Im Zeichen der „Neuen Zeit“ wird erstmalig auf der Generalversammlung die Neuwahl eines Fahnenjunkers vorgenommen. Der Vereinsdemokratie werden die Flügel gestutzt, es werden von höherer Ebene die Vereinsleiter ernannt, und von der Partei selbst werden die entsprechenden Anweisungen erteilt. Das Liedgut wird diktiert, die Feierlichkeiten von oben programmiert.
Ob eine Chronik nicht geführt werden durfte oder ob diese verlorengegangen ist, mag hingestellt sein, die Jahre 1935/36 fehlen ganz in der Aufzeichnung.
Der Lehrer und Chorleiter Ernst Feld wurde in den zwanziger Jahren in die Gemeinde Petkum versetzt und trat dort wie selbstverständlich der „Windsbraut“ bei.
Nach seiner Rückkehr ins Sauerland hielt er die Verbindung zu den Sangesbrüdern an der Ems aufrecht und Pfingsten 1935 kamen diese zu einem Besuch nach Othlinghausen. Der Beginn einer wunderbaren Sängerfreundschaft, die nach dem Krieg noch vertieft wurde und zu vielen privaten Verbindungen führte und heute noch lebendig besteht. Auch 3 Ehen entstanden durch diese Freundschaft.
Mit der Eintragung vom 28./29. Mai 1939 endet vorerst die Chronik.
Ein jäher Krieg bricht aus. Viele Bürger werden zu den Waffen gerufen, manch` einer wird die Heimat nicht wiedersehen, und in vielen Familien tritt große Trauer ein. Die „Neue Zeit“ nimmt ein böses Ende.
Nach all den Jahren der Entbehrung während des 2. Weltkrieges beginnt abermals eine schwere Zeit – die Zeit des großen Hungers in den Jahren 1945 –1948. Es scheint nicht verwunderlich, dass die Chronik auch in diesen Jahren nicht geführt wurde und erst mit dem Beginn des Jahres 1950 wieder aufgenommen wird.
Unter uns weilende Sangesbrüder, die sich noch gut an diese Zeit erinnern können, berichteten, dass, wie überall so auch beim MGV „Windsbraut“, nach und nach ein neues Vereinsleben begann. Die Chorstunden wurden gut besucht, Treffen mit benachbarten Gesangverein wurden durchgeführt und man versuchte, mit den gegebenen Umständen zu leben.
Spätheimkehrer wurden noch über Jahre hinaus am Bahnhof mit einem Lied begrüßt. 1948 brachte die Währungsreform neue Hoffnung – und diese Hoffnung war nicht trügerisch. Optimistisch schaute man in die Zukunft und die politische und wirtschaftliche Lage entkrampfte sich. Feste wurden veranstaltet, das Stiftungsfest – der Teeabend- wurde wieder ins Leben gerufen- auch die Tradition der wechsel- seitigen Besuche in Othlinghausen /Lüdenscheid und Petkum wurden wieder aufgenommen.
Innerhalb des Gesangvereins bildete sich eine Theatergruppe, die in den kommenden Jahren mit viel Erfolg Ein- und Mehrakter aufführte.
So ganz anders war das Vereinsleben wieder entstanden. Alte, jährlich wiederkehrende Aktivitäten wurden wieder aufgenommen, das Advent- und Weihnachtssingen in der Kirche Petkum gehört wieder zu einem festen Bestandteil der Ortstradition. Auch die musikalische Umrahmung der Gedenkfeier für die im Krieg gefallenen Soldaten gehört zum jährlichen Repertoire des MGV „Windsbraut“.
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Ein wesentlicher Bestandteil der Vereinsgeschichte des geselligen Teils sind die Theaterstücke der Theatergruppe des MGV :
1947Goldschmiedstöchterlein 1961 De dree Blindgängers 1948 Die fidele Gerichtssitzung 1962 Dat Fischkerhus ant Diek 1949 Im Mühlengrund (Wilhelm ten Hove) 1950 Die ideale Schwiegermutter 1963 In Achterenn van Siebelt 1951 Harm up Freiers Föten Siebels (W. ten Hove) 1952 Was Gott zusammenfügt, das Flesenpost vor Strand- soll der Mensch nicht trennen voogd Clasen Der Herr im Hause (Einakter) Harm sien upregende 1953 De Isenbahn Dienstjubiläum 1954 Das Glück im Erntekranz 1965 Die feuchtfröhliche Wacht- 1955 Ännchen von Tharau stube 1956 Dat Horoskop 1968 Höhnerfarm Gebr. Geele- 1957 Dat Deern ist richtig vink (W. ten Hove) 1958 De vergnügte Tankstee 1986 Dat Verlegenheitskind 1959 De geforlke Vördelstünn 1987 In`t Stadt up`t Land 1960 Meister Annecker (Wilhelm ten Hove) 1990Roland schal flegen
Festlich begangen wurde 1972 das 50jährige Bestehen des Chores. Nicht weniger als 500 Sängerinnen und Sänger konnte 1. Vorsitzender Gerhard Fischer im „Lindenhof“ Emden begrüßen. Neben Chören aus Westerende, Emden,Borssum, Ditzum, Warsingsfehn, Bangstede, Larrelt, Großefehn, Oldersum, Ostgroßefehn und den Gastgeber war auch unser besonders befreundete Chor MGV Othlinghausen.(Lüdenscheid)
Nicht vergessen sind die vielen Zeltfeste, die abwechselnd mit dem SV Petkum und dem MGV „Windsbraut“ ausgerichtet wurden.
1986 dann das 1. Scheunenfest mit Heimatabend. Hier wurde das Theaterstück „Dat Verlegenheitskind“ aufgeführt. Zum Tanz spielte die allseits bekannte „Medium Band.“ Man geht bei der dreitägigen Veranstaltung von 2000 Gästen aus.
1987 Der MGV „Windsbraut“ besteht in diesem Jahr 65 Jahre. Im Rahmen eines dreitägigen „Scheunenfestes“ wurde das Theaterstück „In`t Stadt up`t Land“ 2 x aufgeführt. Das Stück stammt aus der Feder von Wilhelm ten Hove. Ein Festball und ein großes Chorkonzert runden diese Veranstaltung ab.
1990 konnte dann wieder ein dreitägiges Fest in der Scheune von Mense Hülsebus am Klappweg gefeiert werden. Im Mittelpunkt stand das niederdeutsche Lustspiel „Roland schall flegen.“ Zum Tanz spielte auch hier die bekannte „Medium Band.“ Mit ihrem ersten Besuch und Liedvorträgen erfreute uns auch der Volkschor Dörnfeld an der Heide aus Thüringen. Die Verbindung zwischen beiden Chören entstand Anfang 1989 vor der Wende. Es wurde damals der Versuch gestartet, mit einem Chor in Ostdeutschland in Verbindung zu treten, um nicht immer über die DDR, sondern mit den Menschen dort zu reden.
1997 konnte der MGV auf das 75jährige Bestehen zurückblicken. Das Jubiläumsfest wurde im Vereinslokal „Slis“ gefeiert. 2 Chorkonzerte und zwar am 30.5.97 in der Kirche Petkum unter der Mitwirkung des Chores aus Dörnfeld/Thüringen und am 10. Oktober 1997 im „Neuen Theater“ Emden mit dem MGV Othlinghausen a`travers (Querflötenensemble) und dem Delfzyls Opera- en Operettekoor wurden zu diesem Anlass veranstaltet.
1998 Zur Erinnerung an den 50. Gründungstag des Volkschores Dörnfeld a. d. H. reisten die Sangesbrüder des MGV „Windsbraut“ nach Thüringen. Neben einem großen Chorkonzert wurde anlässlich dieses Jubiläums eine Dorflinde gepflanzt und ein Gedenkstein enthüllt.
2002 Aus Anlass unseres 80. Stiftungsfestes fand im „Neuen Theater“ Emden unter Gesamtleitung unserer Chorleiterin Ingrid Willms ein großes Chorkonzert unter dem Motto „Spiel und Gesang“ statt. Unterstützt wurden wir von der Ländlichen Akademie Krummhörn und einem Bläserensemble sowie aus eigenen Reihen durch eine Sketch-Gruppe. Ein volles Haus und viel Beifall waren der Lohn für die intensive Vorarbeit.
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